Wesenstest am 10.11.2012 in Oberursel-Oberstedten

Richter: Mario Nauke

Es regnet in Strömen. Hey, bei dem Wetter jagt niemand seinen Hund vor die Tür. Vorwurfsvoll blicke ich mein Herrchen Stefan an. Was fällt dem ein. Es ist noch dunkel und sonst hat er es auch nicht so eilig. Ich bin ein etwas verwöhnter Labradorrüde. Das gebe ich ja zu. Mein Name ist Sam. So werde ich zumindest genannt. Laut meiner Geburtsurkunde heiße ich Finnhunter Armageddon. Bin gewöhnt morgens lange mit Stefan noch zu kuscheln und heute diese Hektik. Hat das etwa mit der Bemerkung zu tun, die er gestern Abend noch gemacht hat? Ich habe gehört, wie er von einem Wesenstest gesprochen hat und, dass ich der erste Hund auf dem Platz sein soll. Bitte, was ist ein Wesenstest? Samstags ist Hundeschule und die fängt erst um 10.30 Uhr an und nicht in aller Herrgottsfrüh.
Nur Stefan zuliebe tapse ich die Rampe hoch um mich in meinem Käfig im Auto wieder zusammen zu rollen. Los geht’s. Bin mal gespannt wohin. Ich höre Stefan schimpfen. Er hat sich verfahren. Komisch, den Weg in die Hundeschule kennt er doch. Ich werde jetzt doch ein bisschen unruhig. Das passt alles nicht zusammen. Ich lande auf einem Platz, den ich nicht kenne. Hier sind auch lauter mir unbekannte Menschen und Hunde. Gut, meine Artgenossen bekomme ich nicht so richtig zu Gesicht. Aber, ich habe ihren Geruch in der Nase. Dann gehe ich mit Stefan auf den Platz. Erwähnte ich bereits, dass es in Strömen regnet? Auf dem Platz steht ein mir völlig unbekannter Mann. Er trägt ähnliche Kleidung, wie Stefan meistens auch. Mario heißt er, kommt aus dem deutschen Osten und scheint ganz patent zu sein. Aha, und was will Mario von mir. Der guckt mich so streng an und fährt mir mit einem Gerät über den Kopf. Ich bekomme die Leine und das Halsband ab. Na, das ist doch mal was. Und nun?
Als erstes bekommt Stefan einen Ball den er werfen soll. Das macht er auch. So kenne ich ihn gar nicht. Er hat mal gesagt, dass ich kein Balljäger werden soll. Wenn er etwas wirft, soll ich warten, bis er mir erlaubt es zu holen. Aber, ich habe ja keine Leine an. Jippii, schön weit bitte. Wenn ich bei dem Wetter raus muss, will ich mich auch bewegen. Zweimal darf ich rennen und keiner meckert. Liegt es daran, dass ich den Ball zurück gebracht habe? Während ich mich darauf freue nochmal los zu jagen, gibt Stefan Mario den Ball zurück. Dafür bekommt er ein Handtuch. Super, das kenne ich doch. Ich versuche mir das Handtuch zu ergattern. Als ich es habe, kommt Mario, nimmt mir das Handtuch wieder weg. Dann nimm halt das blöde Ding. So macht das keinen Spaß. Stefan geht in die Hocke. Ich renne zu ihm. Zuhause tollen wir auch manchmal auf dem Boden. Stefan schnappt mich und will mich auf den Rücken legen. Nein mein Freund, heute nicht. Es ist mir zu kalt, zu nass und zu dreckig. Mario erklärt Stefan, dass ich das machen muss, egal, wie kalt, nass und dreckig es ist. Mach’s doch selbst. Ich habe keine Lust. Stefan zwingt mich. Was ist mit dem Kerl los? Ich will nach Hause auf meine Decke. Erwähnte ich schon, dass es in Strömen regnet? Langsam wird’s ungemütlich. Wir sind alle patschnass. Eine besondere Herausforderung und ganz viel Spaß machen mir die freundlichen Menschen. Alle laufen kreuz und quer über den Platz und einige rufen mich um mit mir zu spielen. Super, wenn die keine Angst vor mir haben. Dann nehmen sie mich in ihre Mitte und gehen mal langsam und mal schnell auf mich zu. Das wird zwar mal ein bisschen eng, ist aber auch schön kuschelig. Ich erwähnte, glaube ich bereits, dass es in Strömen regnet.
Mario und Stefan zeigen mir ein paar Sachen. Mario will wissen, wie ich darauf reagiere. Da ist ein Ball. Das hatten wir schon. Ein quakender Frosch sitzt in einem Gebüsch. Die Viecher kenne ich. Nur, bei uns im Garten bewegen die sich wenigstens. Ein Reiher steht auf der Wiese. Der bewegt sich auch nicht. Langweilig! Im Baum hängt allerdings was, was schon sehr lecker riecht. Leider komme ich nicht dran. Ein Fuchsfell, sagt Stefan. Ich liebe Decken und Felle. Warum kriege ich das nicht? Stefan geht einfach weiter. Ich könnte ihn ja jetzt einfach ignorieren, vielleicht komme ich doch noch an das Fell ran. Nein, das mache ich lieber nicht. Ich liebe mein Herrchen und ich rieche förmlich seine Anspannung. Ich kann ihn einfach nicht alleine lassen. Schon gar nicht jetzt, wo Mario etwas wirft, wo etwas drin ist. Ich gehe mal lieber gucken. Dann wird plötzlich wieder was geworfen. Das Ding macht ein Riesenlärm. Und? Hört auch wieder auf. Juckt mich nicht. Hinter einer Wand kommt eine komische Gestalt mit wehendem Umhang raus. Ein Gespenst, sagt Mario. Soll ich mal gucken gehen? Naja, da muss schon was anderes kommen um mich zu erschrecken. Sekundenbruchteile überlege ich, ob ich das Gespenst mal erschrecken soll. Langsam wird mir das aber zu bunt. Mario zieht plötzlich etwas aus der Tasche, was ebenfalls einen Heidenlärm macht. Mein Wesenstest endet buchstäblich mit einem Knall und es und riecht furchtbar. Auch das erschreckt mich nicht. Ich renne auf ihn zu, aber es passiert nichts mehr. Gut, wenn das alles war.
Endlich ist die Sache vorbei. Es hat ja Spaß gemacht, aber irgendwann ist es auch mal gut. Bestanden, sagt Mario. Aber, er rät Stefan, mich konsequenter zu führen. Stefan riecht langsam wieder wie Stefan sonst riecht. Gott sei Dank. Das mit der Konsequenz, da müssen wir nochmal drüber reden Kumpel. Ich finde, wir sind ein tolles Team. Stefan rubbelt mich trocken, gibt wir Wasser und Leckerlis und ich darf wieder in meinen Käfig. Draußen zieht ein Artgenosse vorbei. Er ist jetzt wohl dran. Ich kann mir ein inneres Grinsen nicht ganz verkneifen. Es regnet immer noch. Jungs und Mädels, die ihr noch ran müsst. Ich drücke Euch ganz fest die Pfoten und morgen bleibe ich wieder in meinem Bett.

Jutta Badina / Stefan Freund mit Hund Sam