Zahn- und Kiefererkrankungen beim Welpen und Junghund am 15.2.2012

By 24. Februar 2012 Berichte, Seminare

Referentin Frau Dr. Heinichen

In der netten Atmosphäre des Alt-Oberurseler Brauhauses referierte am 15.02.2012 Frau Dr. Cornelia Heinichen, Fachtierärztin für Kleintiere in der Kleintierklinik Bergstrasse, mit dem Schwerpunkt Zahnheilkunde, über Zahn- und Kiefererkrankungen, speziell auf den Welpen und Junghund bezogen. Wir freuen uns sehr, dass Frau Dr. Heinichen, diesen Vortrag für unsere Regio-Gruppe gehalten hat, so referiert sie doch normalerweise hauptsächlich vor Tierärzten.

Mit vielen Bildern und Modellen hat uns Frau Dr. Heinichen den Zahn- und Kieferaufbau und den Zahnwechsel erklärt. Außerdem hat sie uns den Aufbau des korrekten Scherengebisses erklärt und auch über die verschiedensten Zahnfehlstellungen informiert. Sie hat mögliche Ursachen hierfür und eventuelle Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Zusammenfassend aus diesen vielen Informationen kann ich kurz wiedergeben:

  • Der Zahnwechsel erfolgt nicht gleichzeitig, vielmehr brechen als bleibende Zähne erst die Schneide- und Fangzähne durch, dann folgen die Backenzähne. Beim Milchzahndurchbruch folgen die Fangzähne den Schneidezähnen, als letztes sind die vorderen Backenzähne dran.
    So ist es relativ einfach möglich, am Zahnwechselstatus das Alter eines Hundes zu erkennen. Das konnten wir an Hand verschiedener Bilder dann auch gleich üben.
  • In der Regel sind Zahnfehlstellungen im Gegensatz zu Kieferfehlstellungen nicht erblich. Es gibt viele verschiedene Zahnfehlstellungen, so wie zum Beispiel den Caninus(=Fangzahn)steilstand, den Zangen – oder Kopfbiss, das Kulissengebiss und den Kreuzbiss (vorderer oder hinterer).
    Bei den Kieferfehlstellungen wurde in dem Vortrag genauer Bezug genommen auf den Überbiss und Unterbiss (auch bekannt als Rück- oder Vorbiss), bei dem der Unterkiefer zu kurz bzw. zu lang ist, und auf den zu schmalen und zu engen Unterkiefer (Mandibula angusta).
    In der Regel sind Kieferfehlstellungen erblich, meist werden sie polygenetisch vererbt (nur ein oder zwei Tiere aus einem Wurf sind betroffen, oft wird eine Generation übersprungen).
    Sowohl die Kiefer- als auch die Zahnfehlstellungen sind durch verschiedene Methoden zu behandeln. Beim Engstand der Zähne zueinander kann zum Beispiel ein einzelner Zahn extrahiert werden. Der Hund kann eine Zahnspange, Dehnungsschraube oder Aufbissschiene erhalten. Allerdings sollte man immer abwägen ob eine Behandlung in der Wachstumsphase, in der der Hund seine wichtigsten Junghundeerfahrungen machen sollte, unbedingt dringend notwendig und somit sinnvoll ist.
  • Unbedingt behandlungsbedürftig sind die persistierenden (verbleibenden) Milchzähne.
    Von persistierenden (verbleibenden) Milchzähnen spricht man, wenn die bleibenden Zähne durchbrechen, obwohl die Vorläufer-Milchzähne noch vorhanden sind.
    In der Regel sind hiervon die Canini und Inzisivi (also Fang- und Schneidezähne) betroffen davon, dass bleibende Zähne durchbrechen können, obwohl der jeweilige Milchzahn noch vorhanden ist. Ob eine genetische Disposition vorhanden ist, ist unklar. Da die vorhandenen Milchzähne aber zu Fehlstellungen an den bleibenden Zähnen führen können, müssen sie unbedingt frühzeitig fachmännisch vom Tierarzt entfernt werden. Neben diesen genannten Informationen, hat uns Frau Dr. Heinichen noch so viel erklärt, dass hier leider nicht alles erwähnt werden kann. Sie hat uns auch ein lehrreiches Hand-Out erstellt, sodass wir alles bei Bedarf noch mal nachlesen können. Hierfür und für den lehrreichen und interessanten Vortrag und ihre nette und sympathische Art bedanken wir uns ganz herzlich bei Frau Dr. Heinichen und hoffen insgeheim, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal einer Einladung unserer Regio Gruppe zu einem ähnlichen Thema folgt.?!

Simone Gröger